Du trinkst mein Blut, ißt meinen Leib und betest meine Hinrichtung an.
Aber psychisch läuft alles rund bei dir, oder?


Unlängst bekam ich ein Foto mit einem Jesusbild mit erhobenem Zeigefinger mit obigem Text. Nun diese Darstellung wirkt etwas mystisch, so wie oft in der katholsichen Kirche ein Jesus spricht und Ermahnungen von sich gibt. Dieser Stiel ist eigentlich respektlos, wenn wir Worte in den Mund Jesu legen als ob sie direkt von Jesus wären – wie ja auch Schwester Faustine von Polen oft so vorgeht.

Gott hat gesprochen in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern durch die Propheten, „er hat in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn,“ sagt Hebräer 1, 1-2. Gott hat geredet im Alten und Neuen Testament, in der Heiligen Schrift. Daran sollten wir uns orientieren. Jedes weitere Reden durch den Heiligen Geist orientiert sich immer an diese Schriftworte: „.. der Beistend aber, der Heilige Geist, den der Vatrer senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh 14, 26).

Was sagte nun Jesus in der Brotrede nach der Speisung der Fünftausen auf dem Berg bei Tiberias?
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird niemals dürsten.“ (Joh 6, 35). Das Essen, das unseren Hunger stillt, ist also das zu Jesus Kommen. Das Trinken, das unseren Durst stillt, ist also das „an ihn glauben“. Da wird Jesus nicht in ein Brot verwandelt, das wir dann essen sollen als Hostie. Es ist ein geistiger Vorgang im Kommen zu Jesus und im an ihn glauben. Jesus wird verglichen mit einem Brot, das der Vater gibt. Ebenso ist dann auch Jesu Aussage zu verstehen, wenn er sagt: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werden ihn auferwecken am letzten Tag.“ (Joh 6, 54).

Sein Fleisch essen wäre Karnibalismus, sein Blut trinken wäre für einen Juden undenkbar, weil wir uns enthalten sollten vom Blut, in dem Leben ist (Apg 15,29). Viele Zuhörer verstanden auch Jesu Rede so gegenständlich, aber Jesus sagte: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützt gar nichts. Die Worte, die ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben“ (Joh 6, 63).

Jesu Fleisch essen bedeutet also, dass ich seine Menschwerdung im Fleisch annehme im Glauben und Jesus nicht nur als eine Geisterscheinung sehe wie die Gnostiker es sahen. Sein Blut trinken bedeutet, dass ich Jesu Lebenshingabe zu meiner Erlösung glaubend annehme und so bleibe ich in in ihm und er in mir und habe ich ewiges Leben: „ Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6,56).

Leider wird oft eine Kreuzverehrung gemacht, die wieder eine Verdinglichung bringt und zum Götzensdienst wird. Wir beten nicht die Hinrichtung Jesu an, auch nicht einen toten Jesus. Wäre Jesus nicht auferstanden, wäre unser Glaube vergeblich. „Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Chrsti aus den Toden, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns, die wir in der Kraft Gottes bewahrt werden durch den Glauben zum Heil, das bereit ist, geoffenbart zu werden in der letzten Zeit.“ (1 Petr 1, 3-5).

Wir beten also den an, der vor dem Thon des Vaters ist. „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen; denn du bist geschlachtet worden und hast uns für Gott erkauft mit deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.“ (Offb 5, 9-10).

Nur so kann auch bei mir psychisch alles rund laufen. Ich weiß mich angenommen in Vergebung vor ihm und geliebt durch den Glauben an ihn: „Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“ (Röm 5, 1-2).
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